Dorfchronik
Geschichtskalender Ziegelheim - 16. bis 18. Jahrhundert
1500 (vor) > Aus dem 15.Jahrhundert stammt eine geschnitzte Madonna, welche vermutl. 1919 wiederentdeckt wird, nachdem sie lange als verschollen gilt. Seit der Wiederentdeckung ziert sie eine Wand der Sakristei. Wo sie in vergangener Zeit ihren Platz in der Ziegelheimer Kirche hatte, ist dem Chronisten nicht bekannt.
1501 > Herstellung der großen Kirch-Glocke
1504 > Von März bis November fällt kein Regen, die Erde verbrennt, Menschen werden vor Hitze wahnsinnig, es gibt weder Heu- noch Getreideernten. Das Vieh soll in die Wälder getrieben worden sein, aus denen es aber oft nicht zurückkehrte, weil es dort verhungerte. Raupen soll es im Überfluss gegeben haben.
1507 > Kirchturm gebaut (Höhe 48 Meter)
1517, 31.Oktober > Luthers 95 Thesen in Wittenberg veröffentlicht, Beginn der Reformation
> Bis zu diesem Jahr gehörten wahrscheinlich Wolperndorf, Flemmingen mit Beiern, Steinbach, Jückelberg, sowie Frohnsdorf als Filiale von Jückelberg zum Kirchsprengel Ziegelheim.
1518 > Fertigstellung der Kirche
1535 > Zu Johannis erneute Ausstellung des Briefes zur Frondienstbefreiung auf ewig, da der erste Brief entwendet wurde.
> Um dieses Jahr herum wird für Ziegelheim ein Begnadigungsbrief ausgestellt, welcher unter anderem folgende Punkte enthält: 1. Freie Ausübung des Handwerks (egal ob zünftig oder unzünftig); 2. Schankrecht der 9 Erbschenken (nach Zwickauer Maß); 3. Gerichtsverschreibung (Gerichtssprechstunde) bei den Richtern jeden Freitag; 4. Ein Schulbau, welcher durch die gesamte Kirchfahrt zu bewältigen ist;
1539 > Erstmalig wird anlässlich der ersten hier abgehaltenen Kirchenvisitation die Ziegelheimer Schule unter der Überschrift „Custodia“ (Küsterei) erwähnt. Ein Wohnhaus (Behausung) mit Garten wird aufgeführt, ebenso wie die Einnahmen des Küsters.
1541 > Im ganzen Monat Mai ist ein großer Komet zu sehen. Man prophezeit ein gutes Weinjahr, welches auch tatsächlich eintrifft.
1553 > Bis zu diesem Jahr gehören Heiersdorf, Hinteruhlmannsdorf, Nirkendorf (als eingepfarrtes Dorf) und Göpfersdorf, Garbisdorf (als Filialen) zum Kirchsprengel Ziegelheim.
> Ab diesem Jahr gehören Heiersdorf zu Niederwiera, Nirkendorf zu Fuchshain (Ehrenhain), Göpfersdorf, Garbisdorf und Hinteruhlmannsdorf zu Flemmingen. Grund: Als Folge der Reformation hatte der ernestinische Kurfürst die kirchlichen Güter, darunter das Kloster Remse enteignet und sich selbst unterstellt. Die Herren von Schönburg, Gegner Luthers und der Reformation, zogen deshalb die Schenkung Ziegelheims an das Kloster (welche bereits ihre Vorfahren getätigt hatten) zurück und stellten Ziegelheim wieder unter ihre (katholische) Herrschaft. Weil die Albertiner aber die Lehnsherren der Schönburger waren, kam es zum Streit um Ziegelheim zwischen dem kursächs.-ernestinischen Haus und dem herzogl-albertinischen Haus. Als Kompromiss verblieb Ziegelheim bei den Albertinern und damit auch den Schönburgern, die die älteren Besitzrechte geltend machen konnten. Zur Genugtuung wurden jedoch oben genannte Gemeinden aus dem Kirchverband getrennt ( sie lagen ja auch auf ernestinischem Gebiet).Weil es zu dieser Zeit aber auch schon evangelische Ziegelheimer gab, entstand ein Weg in der Nähe der Wiesenmühle nach Frohnsdorf (evangelisch), der Evangeliensteg genannt.
1554 / 55 > Einführung der Reformation in der Parochie Ziegelheim unter dem Vorgänger und dem Pfarrer Bereuther (ab 1555 im Amt)
1555 > Eine Kirchenvisitation findet in Ziegelheim statt. (Zugleich zweiter Nachweis einer Schule/Küsterei)
1590 > Beginn des ältesten Ziegelheimer Kirchbuches, geführt von Zacharias Schröter als Substitut (Stellvertreter) seines Vaters, des Pfarrers Phillip Schröter.
> 38 Wochen lang fällt kein Regen, es fehlt an Mehl, man muss Korn kochen. Gleichzeitig gab es aber soviele Eicheln, daß sich die Äste unter der Last bogen. Arme Leute sollen unnatürliche Nahrungsmittel gegessen haben, durch welche sie hitziges Fieber bekamen. Viele sollen daran gestorben sein.
1592 > Beginn des ersten Buches mit Nachrichten über Kirchenrechnungswesen, geführt von Zacharias Schröter
1595 > Zacharias Schröter folgt seinem Vater im Amt als Pfarrer
1600 > Zum ersten Male taucht in den Ziegelheimer Kirchenbüchern der Name Etzold auf: Ein Andreas Etzold aus Monstab heiratet eine Anna Steinbach, Tochter eines Jacob Steinbach aus Ziegelheim. Aus Unkenntnis wird der Name erst „Ezolt“ dann übermalt „Äzolt“ geschrieben. Es bleibt bis 1669 die einzige Erwähnung des Namens in Verbindung mit Ziegelheim.
1606 > Aufgrund großer Nässe verdirbt das Getreide auf den Feldern.
1611 > Im Februar erscheint ein Komet am Himmel, der die Menschen zu abergläubiger Furcht verleitet.
> Das Jahr bringt Dürre und Mißwuchs, das Gras verdorrt auf den Wiesen und das Wintergetreide schießt hoch und das Sommergetreide geht garnicht erst auf.
1618 > Gründung der Gemeinde Thiergarten.
> Das Jahr bringt solch eine reiche Ernte, das die Scheunen kaum alles aufnehmen können.
> Der Beginn des 30jährigen Krieges bringt trotz der guten Ernte große Teuerungen.
1633 > Zerstörungen und Verwüstungen von Ort und Kirche, aufgrund des 30jährigen Krieges.
> daraus resultierende Typhus-Epidemie (103 Todesfälle, die erst am 20.12. endeten)
> „Vers der Not“ unter Pfarrer Müller an der Kirche angebracht: „QAS SACRAS AEDES PIETAS CONSTRUXIT AVORUM HAS NUNC HAEREDES DEVASTANT MORE LUPORUM 1633 (Dies heilige Haus, welches die Frömmigkeit der Väter erbaut hat, verwüsteten jetzt die Erben nach Art der Wölfe 1633).“
1636 > Pfarrer Crell in Ziegelheim
1639 > Die Felder werden im Frühjahr nur noch teilweise bestellt, es fehlt an Samengetreide und die Bauern wagen sich kaum aus ihren Verstecken heraus. Es gibt weitere Teuerungen, Hungersnot treibt viele Menschen fort in fremde Länder. Andere gehen zu Grunde, weil Gras gekocht und gegessen, weil Aas, Hunde und Katzen verspeist werden. Wegen Mangel an Zugtieren müssen die Leute ihren Pflug selbst ziehen (fünf zogen den Pflug, der sechste pflügte).
1642 > Umgießen der mittleren Kirch-Glocke (welche vermutlich älter als die 1501 gegossene große Glocke ist)
> Daniel Hauschild wird in der Todesanzeige für seine Frau Sophie, geb. Schramm vom 20.Juni, als Kirchschullehrer von Ziegelheim nachgewiesen
> Beginn der ersten Renovierungs- und Erneuerungsphase der Kirche
1646 > Abnahme des Turmknopfes
> Pfarrer Crell äußert wenig Hoffnung auf Frieden (Ende des 30jähr.Krieges ist 1648!)
> Ziegelheim (einschl.Thiergarten) hat 111 Häuser
> Ziegelheim hat noch eigene Gerichte
> große Teuerungen (Kriegsfolgen)
> Am 18.Juni verfassen Richter, Schreiber und Schöppen ein Schriftstück (Freibriefnachricht), in dem die Nachkommen über die Befreiung vom Frondienst informiert werden. Die Schönburger wollten demnach auch lieber Geld als Abgaben sehen (Ausnahme: Fronarbeiten am Waldenburger Schloß, der herrschaftl. Mühle und dem Ziegelheimer Teich -vermutlich der zu Ziegelheim gehörende Niederarnsdorfer Mühlteich- blieben bestehen).
> Erbstreit um die Herrschaft Waldenburg mit Ziegelheim zwischen denen zu Schönburg-Hartenstein, zu Schönburg-Stein und Schönburg-Lichtenstein, welche Vettern sind.
1653 > Blitzeinschlag ins runde Treppentürmlein der Kirche, ohne zu zünden.
1656 > In diesem Jahr, wird berichtet, gibt es gute Ernten, gute Preise und eine stabile Wirtschaftslage.
1657 > Entstehung der Kanzel in der Ziegelheimer Kirche.
1669 > Am 5.Dezember wird Georg Etzold aus Ziegelheim ein Sohn namens Andreas geboren und getauft. Georg ist somit der erste nachweisbare Etzold aus Ziegelheim. Die Ziegelheimer Linie des Chronisten wurde erst im Jahre 1813 durch Einheirat begründet.
1670 > Entstehung des Altaraufsatzes in der Ziegelheimer Kirche.
1672 > Die Patronin Gräfin zu Solms schenkt der Kirche ein wertvolles Altargeschmeide (100Thaler)
1679 > Am 6.Juli um 12.00 Uhr mittags schlägt der Blitz zweimal in den Kirchturm und einmal in ein Seigertürmlein (seigen- sicker- abfließen-Abfluß-Abwasserrinnen-leitungen) ein. Der Brand des Seigertürmleins wird mit Ziegenmilch gelöscht! Der Turmknopf samt Blitzableiter wird daraufhin zu Reparaturzwecken abgenommen. Interessant ist, das selbst die Feuer-Ordnung für Sachsen von 1775 noch folgendes enthält: „…brennendes Oel und Butter, ist mit Asche, Erde, Koth, oder Ausbreitung wollenen Zeugs darüber, auszulöschen, durchaus aber kein Wasser hinein zu gießen; Dahingegen ein vom Gewitter entstehendes Feuer mit Milch, Mistlacke, Salzwasser und feuchter Erde zu dämpfen. …“ Diese Feuer-Ordnung ist Statut (Grundlage) für die Feuerlöschordnung der Kommune Ziegelheim,Uhlmannsdorf,Niederarnsdorf und Thiergarten, welche erst 1872 überarbeitet wird.
1680 > Zu Karfreitag, am 9.April ist das Seigertürmlein wieder repariert.
> Nach dem 20.April (Datum der Niederschrift des Pfarrers Anger im Turmknopf) wird der Turmknopf mit einer neuen Wetterfahne versehen wieder aufgesetzt. Diese Wetterfahne schmückt noch heute unseren Kirchturm. Die Wetterfahne enthält sichtbar folgende Informationen: Auf der Blattseite stehen die Buchstaben „BGZS“ und die Jahreszahl „1680“. Auf der Pfeilseite steht die Jahreszahl „1864“. Die Buchstaben enthalten nach alter Tradition die Angaben über den Bauherrn und Baumeister/Handwerksmeister, diese müssen aber noch recherchiert werden. Die Zahl 1864 ist deutlich erkennbar später eingebracht worden (anderer, späterer Zahlen-Stil) und gibt vermutlich ein Jahr an, in dem an der Wetterfahne gearbeitet wurde. Nachweislich ist der Turmknopf aber zwischen 1809 und 1885 nicht abgenommen worden.
> Ziegelheim (einschl. Thiergarten, Niederarnsdorf und Uhlmannsdorf) hat 126 Wohnhäuser.
> Aufgrund eines sehr kalten Winters gibt es Menschenleben zu beklagen.
1683 > Auf einen langen Winter folgt ein sehr heißer Sommer, so daß Gras und Getreide verdorren.
1686 > Bis mindestens zu diesem Jahre wurde das Ehrenamt des Angiessers ausgeübt, wissen Gemeindemitglieder im Jahre 1736 noch zu berichten. Jedes Jahr wurden neue Angiesser (3 Stück) gewählt, ihnen wurden Nössel und Gemeindekanne übergeben. Sie hatten zu kontrollieren, ob die Schankwirte Bier korrekt (nach Waldenburger Maß) ausschenkten. An anderer Stelle wird noch einmal ausführlich auf dieses Amt eingegangen werden.
1692 > Eine Raupenplage verdirbt die Obsternte.
1694 > Gewaltige Regengüsse verursachen in unserer Region öfters Überschwemmungen. Es kommt zu einer Mißernte.
1695 > Anfang Mai erfriert die Baumblüte, Hagel zerstört einen Großteil der Ernte. Millionen von Feldmäusen fressen ebenfalls große Teile der noch vorhandenen Ernte auf.
> Zur Erntezeit rauben Diebe das 1672 gestiftete wertvolle Altargeschmeide aus der Kirche.
> Zwischen diesem Jahr und dem Jahre 1701 entsteht die Niederschrift des Pfarrers Anger.
1697 > Erneute Mißernte. Das Getreide wird nicht reif. Im August und September regnet es unaufhörlich. Im Oktober fällt schon Schnee.
1705 > Am 25.Mai erfolgt ein Wintereinbruch. Die Schneemassen bedecken bis zum 27.Mai die schon voll im Laub stehenden Bäume und das kurz vor der Blüte stehende Korn. Trotzdem konnte eine reiche Ernte eingefahren werden.
1706 > Am 12.Mai, nach 10.00Uhr gibt es eine totale Sonnenfinsternis.
> In diesem Jahr gibt es eine große Dürre, verbunden mit einer Missernte und hungrigem Vieh. Die Menschen dieser Zeit sahen einen Zusammenhang zwischen der schlechten Witterung (und der Missernte) mit der Sonnenfinsternis.
1708 > Kirchenrenovierung (zählt noch zur ersten Erneuerungsphase seit 1642), dabei wird eine uralte Bibel gefunden, in der u.a. der Kirchturmbau von 1507 und die Fertigstellung der Kirche 1518 erwähnt werden.
> Ab diesem Jahr werden die Emporen mit neuen Bildern aus dem Alten Testament (Sakristeiseite) und dem Neuen Testament (Kanzelseite) geschmückt.
1717 > In diesem Jahr treten Mandate und Generalverordnungen den Brandschutz betreffend im Kurfürstentum Sachsen in Kraft.
1719 > In diesem Jahr treten neue Mandate und Generalverordnungen den Brandschutz betreffend im Kurfürstentum Sachsen in Kraft.
1720, um > Das alte (Kirch-)Schulhaus wird auf Kirchenkosten von Grund aus ausgebaut. (Grundlage ist die Niederschrift des Pfarrer Leupold vom 1.10.1767: „vor etlichen vierzig Jahren“)
1730 - 50 > Ziegelheim befindet sich in einer Modernisierungs- und Vergrößerungsphase, Zukäufe werden getätigt. Es entstehen die meisten Güter in der heutigen Form. Vor allem Wohngebäude werden neu gebaut, während Seitengebäude belassen oder vergrößert werden (diese sind meist erheblich älter). Laut Uhlmannsdorfer Chronik wird erst zu dieser Zeit begonnen, Stück für Stück die Grundstücke räumlich mit Zäunen voneinander abzugrenzen. In den 1730er Jahren beginnt man mit den sogenannten Vorhäupten (Vorhaupt = vermutlich kleine Gärten, die sich unmittelbar am Grundstück befinden). Dabei kommt es zu zahlreichen Neuregelungen zwischen Eigentümern und Gemeinde, welche Zufahrtswege, Bäche, Gräben und Brunnen betreffen, die sich nun innerhalb oder direkt an umzäuntem Gelände befinden.
> Das durch Brände viel Geld und Gut vernichtet wird erkennt man schon um diese Zeit. Im großen Uhlmannsdorfer Gemeindebuch (1735) ist zu lesen, zu Johannis und am Kirchweihsonntag werden die Feuerstätten besehen. Es gehen zwei Bürger in jedes Haus um zu sehen, wie der Backofen, die Küche, alle Öfen und die Brandmauern aussehen. Es wird nicht der nächste Nachbar hineingeschickt, aus Sorge, er möge Ungunst (Streit) mit seinem Nachbarn haben. Auch der Hauswirt darf nicht mitgehen, bis die Zwei ihre Besichtigung verrichtet und wieder herausgekommen sind. Nachdem nun die Gemeinde dies verrichtet hat, geht man ins Gemeindehaus. Dort muss ein Jeder anzeigen, ob er was mangelhaftes gesehen hat, damit die Gemeinde „weiter Verfügung tun kann“. Ebenso werden die Feuereimer, die Feuerhacken und etwa vorhandene Wasserfässer nachgesehen.
1734 > Aus dem Uhlmannsdorfer Gemeindebuch: „…Michael Winkler erhielt das Wort. Der brachte vor, dass sich die Gemeinde schlüssig sein sollte, eine hübsche Feuerspritze sich anzuschaffen, zumal die Ziegelheimer auch schon eine hätten (zu dieser Zeit besteht in Ziegelheim bereits ein eigenes Spritzenhaus). Es gab noch viele Versammlungen. Kosten(vor)anschläge ergaben, dass es eine Ausgabe von über 50 Reichstalern bedeute. Die Summe sollte durch eine allgemeine Umlage aufgebracht werden. Dem wollte sich keiner entziehen. Die aufzubringende Summe schwankte zwischen 3 Groschen und 3 Reichstalern. Der Häuslerbeitrag lag zwischen 6 und 14 Groschen. Auch der Meister war gefunden, der sie bauen sollte. Die Wahl fiel auf den Bürger Johann Andreas Bachmann, Glockengießer in Glauchau. …“
1735 > In Ziegelheim besteht ein eigenes Spritzenhaus.
> Anfang Januar wird zwischen der Gemeinde Uhlmannsdorf und dem Glauchauer Meister Bachmann der Contract zum Bau einer Feuerspritze geschlossen. Das Uhlmannsdorfer Gemeindebuch schreibt dazu weiter: „…In der Ersten Woche des Hartung Anno 1735 wurde der Contract geschlossen. Der Richter vom Dingstuhl Ziegelheim Michael Börnichen verfasste einen schriftlichen Dingzettel, dass das Werk für 50 Reichstaler nebst 1 Reichstaler und 8 Groschen richtig und ohne Mängel geliefert werden solle. Der Stiefel sei 5 halbe Zoll weit und die Länge sei wie die der Ziegelheimer Spritze. Auch oben das Mundstück soll mit einer Schraube befestigt werden, um es im Notfall abschrauben zu können. Im Übrigen muss alles fest und steif zu verwahren sein. …“ Als die Spritze von Glauchau eingetroffen war, fand sich alles ein um sie zu begutachten. Das Werk des Glauchauer Meisters entsprach den Erwartungen des Uhlmannsdorfer Volkes nicht. Das Gemeindebuch meldet dazu: „…so das Werk zu Vorschein kam, befindet sich alles nicht (con)tractatsmäßig und tüchtig. Indem es viel besser und stärker als das Ziegelheimsche werden sollte, war es dagegen in vielen Stücken schwächer und sehr zu tadeln, obgleich unseres gleich teuer als das Ziegelheimer zu stehen kam. Die Gemeinde will zwar nicht annehmen, der Rothgießer (Glockengießer Meister Bachmann) gibt vor, er will es korrigieren und in tüchtigen Stand bringen. Wir sollten es (das Werk) wieder nach Glauchau bringen. Die Gemeinde aber trägt Sorge, das dadurch der letztendliche Betrag ärger werden könnte als der erstere (vereinbarte). Lange geht es hin und her. Der Glockengießer will das Gericht anrufen, vor Gerichtskosten haben aber die Uhlmannsdorfer Bauern Angst. Da haben sie Erfahrung. Die Sache zieht sich hin bis ins Jahr 1741. …“
1736 > In Uhlmannsdorf beginnt man ein Gemeindebuch zu führen.
> Uhlmannsdorf hat 15 Gartengüter und 15 Häuser.
1740 > Unsere Gegend leidet in diesem Jahr unter einem extrem kalten Winter, der bis Mitte April anhält und bis Anfang Mai langsam abnimmt. Es wird berichtet, dass es anschließend erneut zu Frost und Schnee kam. In diesem Winter erleiden viele Menschen Erfrierungen, es gibt etliche Todesfälle (auch durch Überfälle von hungrigen Wölfen).
> Rezesse (Vergleiche) zwischen Kursachsen und den Schönburger Fürstentümern und Grafschaften. Darin erkennen die Schönburger die Oberhoheit Sachsens an, behalten dafür eine Art Sonderstatus, einem autonomen Gebiet ähnlich. Die Schönburger behalten ihre Steuerhoheit und sind vom sächsischen Kriegsdienst befreit. Entgegen der Vereinbarungen forderten während des 7-jährigen Krieges sowohl Preußen als auch Sachsen (teils gewaltsam), Sachsen auch nach dem Kriege mehrfach Truppenkontingente von den Schönburgern (mal mit Erfolg, mal erfolglos).
1741 > Am 10.Februar erneuter Einbruch und Diebstahl in der Kirche.
> Am 28.August kommt es bezüglich der neuen Uhlmannsdorfer Feuerspritze nach langem Streit zum Vergleich zwischen dem Glauchauer Meister Bachmann, welcher seine vereinbarten 50 Reichstaler haben will und der Gemeinde Uhlmannsdorf, welche mit der gelieferten Spritze nicht zufrieden ist. Dorfrichter Georg Sparschuh und Meister Bachmann quittieren sich gegenseitig. Unter Nummer 64 im Großen Uhlmannsdorfer Gemeindebuch ist zu lesen: „…Die Quittung der Feuerspritze lautet von Wort zu Wort dem Original gleich, also: Ich, Erstbenannter bekenn hiermit, dass ich von Georg Sparschuh in Uhlmannsdorf 43 Thaler und 6 Groschen zu meiner völligen Bezahlung wegen der selbigen Feuerspritze richtig bezahlt bekommen. Worüber ich ihm hiermit gebührend quittiere. Uhlmannsdorf, 28.8.1741. Johann Andreas Bachmann, Glockengießer in Glauchau. …“
1744 > In diesem Jahr treten neue Mandate und Generalverordnungen den Brandschutz betreffend im Kurfürstentum Sachsen in Kraft.
1745 > Im März wird die Uhlmannsdorfer Spritze, die seit ihrer Anschaffung ein ewiges Ärgernis für die Gemeinde geblieben ist, an Michael Herzsch übergeben, nachdem sie zuvor schon bei verschiedenen Bauern untergebracht war. Mit ihm ist die Gemeinde einig geworden, dass er auf die bei ihm stehende Feuerspritze achthaben soll. Er solle sie im Sommer mit Wasser versorgen, das sie nicht zerletschet, im Winter aber ablassen, das es nicht eingefriert. Dafür erhält er jährlich 4 Groschen für seine Mühe. Im selben Jahr (1745) geht das Rohr an „seiner“ Spritze entzwei und niemand kann erklären, wie das passieren konnte. Man munkelt etwas von „Fataler Zauber“ und berät, wer das Rohr denn instand setzen soll. Man versucht mit dem Glauchauer Meister Bachmann, einen Handel zu machen. Der lässt sich lange bitten, bis er sich endlich bereitfindet, es für 18 Reichstaler und 8 Groschen instandzusetzen. Interessant ist die Tatsache, dass besagter Michael Hertzsch schon bald nach Übernahme der Spritze anfängt, „Späne zu machen“, sie wieder loshaben will. Er erhält seitens der Gemeinde nochmals 4 „Nütz“-Groschen und bringt`s schließlich auf deren 16 Groschen. Auf ein neuerliches Ultimatum antwortet die Gemeinde Uhlmannsdorf mit dem Bau eines Spritzenhauses.
1756 - 63 > bis mind. zum 7-jährigen Krieg (3.schlesischer Krieg), in dem sich Preußen endgültig als Großmacht durchsetzte, gab es in Ziegelheim ein „allodium“- ein Rittergut. Erst danach erfolgten eine Parzellierung des Rittergutbodens und die Ausgabe des selbigen in Erbpacht. Ein letztes Überbleibsel war der Niederarnsdorfer Teich, welcher bis 1945 noch als Besitz des Ziegelheimer Rittergutes in den Flurkarten auftaucht und dem jeweiligen Müller in Erbpacht ausgegeben war. 1945 wurde der Teich dann der Gemeinde Niederarnsdorf übereignet.
> Ziegelheim hat unter den Drangsalierungen des Krieges zu leiden
1762 > Aus diesem Jahr stammen die ersten vollständigen Rechnungen vom „Geistlichen Kasten“, einer alten mildtätigen Stiftung unter Federführung der Ortskirche.
1763 > Die bestehenden 82 Ziegelheimer Feuerstellen (ohne Ortsteile) setzen sich wie folgt größenmäßig zusammen: 7 ganze Hufner, 10 Halbhüfner, 42 ¼-Hüfner, sowie 23 Häusler.
> Uhlmannsdorf (42 Feuerstellen): 6 ganze Hufner, 8 Halbhüfner, 20 ¼-Hüfner und Gärtner, sowie 10 Häusler.
> Niederarnsdorf (12 Feuerstellen): 6 ganze Hufner, 2 Halbhüfner, 4 Häusler.
> Thiergarten (18 Feuerstellen): 3 Viertelhüfner, 15 Häusler.
1765 > Einführung der hellen Wollschafe in Sachsen und somit auch in unserer Region. Anfang des 18.Jahrhunderts suchten europäische Agrar-Gelehrte und Wissenschaftler nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Wollenherden (Aufkommen der Textilmanufakturen und -industrie). Man wurde schließlich in Spanien fündig: Die „Merino“ genannte Rasse war eine Züchtung, welche die Wollmenge betreffend, den Anforderungen der Zeit entsprach. Zuerst von den Schweden importiert, findet sie ihren Weg um 1760 nach Preußen. Gegen 1770 ist die Rasse in Deutschland, Österreich und Teilen Frankreichs verbreitet und wird dominierende Rasse. Schließlich werden „Merinos“ auch in den USA und Amerika heimisch. England schließt sich dem Trend erst Ende des 18.Jahrhunderts an.
1767 > Niederschrift des Pfarrers Leupold
> Ziegelheim gehört zur Herrschaft von Otto Carl Friedrich, Reichsgraf und Herr von Schönburg-Stein. Während dieser Zeit wurde der Ort einmal an die Grafschaft Wechselburg verpfändet und kurze Zeit später für 11000 Thaler wieder eingelöst.
> Der Ziegelheimer Gemeindeverband besteht aus 157 Feuerstätten: Ziegelheim- 82 Feuerstätten ohne Pfarre, Schule und Lauthaus; Uhlmannsdorf- 44 Feuerstätten; Niederarnsdorf- 12 Feuerstätten und die Mühle; Thiergarten- 18 Feuerstätten. Dazu kommen noch 10 Feuerstätten in Gähsnitz, 1 Feuerstätte in Hoyersdorf (Teil von Gähsnitz) und 1 Feuerstätte in Frohnsdorf, welche wohl mit in die Zuständigkeit der Ziegelheimer Feuerwehr fielen.
> Brand bei Johann Teichmann aus Ziegelheim
> Pfarrer Leupold leitet den Begriff „Dingstuhl“ vom Wort „Leibgedinge“(Ausstattung) her. Ziegelheim wurde oft als Leibgedinge den Töchtern der Schönburger mitgegeben. Daher wohl auch die eigene Gerichtsbarkeit von Ziegelheim.
> Beginn einer umfangreichen Erneuerung der sehr baufälligen Pfarre, dabei Neubau des Wohnhauses mit der heutigen Einfahrt. Der Abschluss der Arbeiten soll um 1774 liegen.
1769 > Um Ostern herum gibt es solche Schneemassen und große Kälte, das Vögel tot vom Himmel gefallen sein sollen.
1770 - 72 > Große Teuerungen
1771 > Am Weihnachtabend konnte man "im Freien Kegel schieben", so mild waren die Temperaturen.
1775 > Am 18.Februar tritt eine neue Feuer-Ordnung für das Kurfürstentum Sachsen in Kraft. Die nicht mehr ausreichenden Mandate und General-Verordnungen vom 7.Juli 1717, 7.Februar 1719 und 14.Oktober 1744 werden außer Kraft gesetzt. Bedeutend für den Baustil der Wohnhäuser in unserem Gebiet ist ein Artikel der neuen Feuerordnung, der das Backen, das Flachs- und Hanf-Darren im Hause ab sofort verbietet, statt dessen Backhäuser für die Gemeinden fordert, zumindest jedoch einige private und besonders (von Gebäuden abgelegene) gebaute Backöfen für die Gemeinden fordert. Dieser Artikel enthält ein Schlupfloch, welches sich die ansässigen Hausbesitzer zu Nutze gemacht haben: „…und äußersten Falls nur mit dem Halse an das Gebäude dergestalt anzuhängen, dass man den Back-Ofen von außen umgehen, und die Schadhaftigkeiten, so daran entstehen, sogleich von außen übersehen könne, dieselben auch mit gebrannten Ziegeln, Schiefer, oder äußersten Falls mit Stroh oder Schilf, niemals aber mit Schindeln zu bedecken. Und ist, dass deme nicht zuwider gehandelt werde, von jeden Orts Obrigkeit genaue Obsicht zu führen….“ Diesem Schlupfloch ist eine Backofen-Anbauphase zu verdanken, deren Ergebnis noch heute an vielen Wohnhäusern der Bauerngüter zu sehen ist: Ein gemauerte Anbau mit Schrägdach an der Außenseite der Gebäude, welcher zu späterer Zeit oft zu einer Küche oder Küchenvergrößerung umfunktioniert wurde oder ganz innerhalb eines Wohnhausanbaus verschwand.
1779 > Seit Mai gehört das Territorium des Ziegelheimer Gemeindeverbandes offiziell zum Kurfürstentum Sachsen: Am 13.Mai kommt es infolge des bayrischen Erbfolgekrieges zwischen Österreich und Preußen zum Friedensvertrag von Tetschen. Dort tritt Kaiserin Maria Theresia ihre lehenherrschaftlichen Rechte über die Schönburgischen Herrschaften Glauchau, Waldenburg und Lichtenstein an den Kurfürsten von der Pfalz ab, der sie sogleich an Sachsen weitergibt. Beide waren Verbündete der Preußen und somit auch Nutznießer der österr. Gebietsabtretungen. Damit schließt sich für Kursachsen ein Kreis- nach langer Zeit ist es endlich gelungen, die Schönburger Lande auch offiziell unter Kontrolle zu bringen und den westsächsischen Flickenteppich zu einen. (Hintergrund: besagte Schönburger Besitzungen aber auch mehrere erzgebirgische Gebiete waren von alters her, wahrscheinlich noch aus der Zeit der slawischen Besiedlung, böhmische Lehen und keine Reichslehen. Mit dem Übergang der böhmischen Krone auf die Habsburger wurden die Österreicher Lehnsherren der Schönburger. Dies war den Sachsen stets ein Dorn im Auge, sie beanspruchten die Gebiete und Österreich konnte seine Rechte nicht immer behaupten und den Schönburgern helfen. Erwiesen ist jedoch, das Kaiserin Maria Theresia 1777 veranlasste, den Schönburgern zu Hilfe zu kommen. In den „Schönburger Blättern“ ist dazu zu lesen: „Bereits 1768 hatte Graf Albert Christian Ernst von Schönburg-Hinterglauchau den 1740 mit Kursachsen abgeschlossenen Rezess, wonach Kursachsen die Oberbotmäßigkeit über die Schönburgischen Lande erhielt, für ungültig erklärt. Der Lehnhof zu Prag war dieser Ansicht beigetreten. Sachsen, das sich widersetzte, versuchte den Grafen gefangen zu nehmen und hatte Militär nach Glauchau beordert. Der Graf war aber vordem nach Wien entkommen. Am 5.April 1777 ist er in Begleitung eines kaiserlichen Kommissars und mit 150 Husaren, 1 Bataillon Infanterie und etlichen Kanonen nach Glauchau zurückgekehrt. Da, wie es hieß, 10000 Mann Österreicher an der sächsischen Grenze aufgestellt seien, zogen sich die sächsischen Truppen zurück. Es wurde unter entsprechenden Feierlichkeiten die Trennung Schönburgs von Sachsen verkündet.“ Zu erwähnen sei noch, dass besagter Schönburger Graf der einzige Rebell der Familie war. Die anderen Schönburger Grafen und Fürsten hatten sich längst mit der sächsischen Oberhoheit abgefunden.)
> Am 4.Juli erfriert durch starken Frost das Getreide.
1784 > Am 10. August gibt es Frost.
1788 > Am 17.Oktober Brände bei Michael Mahn, Johann Fiedler und Gottfried Teichmann.
1790 > In Uhlmannsdorf wird ein Gerätehaus erbaut.
1793 > Am 31.Dezember Brand bei Michael Walthers kleiner Schänke in Ziegelheim.
1794 > Am 14.März Brand bei Michael Walthers großer Schänke in Ziegelheim.
1795 > Zu Himmelfahrt liegt 1/4 Elle Schnee.
1796 > Pfarrer Garmann in Ziegelheim. Er war von 1793 an der Lehrer der Schönburger Prinzen gewesen.
> Am 16.Juni brennt es bei Michael Weber in Ziegelheim.
> Am 2.Juli brennt es bei Richter Georg Börnichen.