Dorfchronik
Geschichtskalender Ziegelheim - 19. Jahrhundert
1800 (um) > Verfall der Traditionen: Aus Eitelkeit tragen Ziegelheimer Frauen in der Kirche zum Abendmahl keinen Mantel und Schleier mehr.
> Die Materialwarenhändlerin Antonie Meyer aus Ziegelheim erhält eine Strafverfügung ausgehändigt, da sie wiederholt an Jugendliche Feuerwerkskörper verkauft hat.
1802 > Am 17.Dezember Brand bei Johann Adam Lüpfert aus Ziegelheim.
1804 > Im Januar blühen die Himmelschlüsselchen.
1805 > Ziegelheim erlebt Teuerungen.
> Napoleonische Kriege: Das Ausfuhrverbot für Waren nach Sachsen (Sachsen stand auf Seiten Frankreichs) lässt in Ziegelheim einen Grenzhandel erblühen und lässt in Ziegelheim die Wirtschaft boomen. Alle Art Waren (hauptsächlich aber Weizen) werden mit Handkarren und Rucksäcken aus dem Altenburgischen herübergeschmuggelt und an die schon im Ort wartenden Händler teuer weiterverkauft.
> Am 2. Juni gibt es starken Frost.
1806 - 09 > Im Gegensatz zu Altenburg und Umgebung (incl. Niederhain) erfolgten in Ziegelheim keine Einquartierungen von napoleonischen Truppen.
1806 > Ab November hat auch Ziegelheim unter der Kontinentalsperre für England zu leiden - Teuerungen bei Kolonialwaren, Stoffen, Eisen, Holz.
1808 > 400 französische Rekruten ziehen im September ohne Aufenthalt durch Ziegelheim weiter nach Penig.
1809 > Am 26.Januar brennt es bei Johann Jakob Lüpfert, Schänkwirt und Brauer in Ziegelheim.
> Am 11.März brennt es bei Johann Dornberg.
> Abnahme des Kirchturmknopfes.
> Niederschrift des Pfarrers Garmann.
1816 > Die Kartoffeln können erst im Juni legen.
1817 > Brand des Schmidtschen Gutes in Niederarnsdorf.
> Brand der Scheune am Weberschen Gut in Uhlmannsdorf.
1818 > Nach sehr kalten Sommern gibt es einen warmen und fruchtbaren.
1819 > Im Sommer werden Schattentemperaturen bis 33,5 Grad gemessen.
1820 > Ab diesem Jahre dient der „Geistliche Kasten“ nicht mehr wie bis dahin der Unterstützung von sogenannten „Hausarmen“. Von nun an leistet er eine jährliche Unterstützung an den politischen Armenverband.
1824 > Ziegelheim erlebt eine große Überschwemmung.
1825 > Brand des Sparschuh`schen Hauses in Ziegelheim (gehörte 1909 einem Valentin Bauer).
1820er und 30er > In dieser Zeit setzt sich langsam die Braunkohle gegen das Holz als Energiequelle zur Feuerung durch. Hauptursache sind Holzmangel und damit verbundenen Verteuerung des Holzes, verursacht durch Holzraubbau in den Wäldern, die beginnende Industrialisierung sowie Bevölkerungszunahme.
1830 > dieses Jahr und 1871 sind die kältesten Jahre des 19. Jahrhunderts.
1832 > Mit einer Bekanntmachung des sächsischen Kriegsministeriums vom 6.Februar wird in den Schönburgischen Rezessherrschaften (und damit auch in Ziegelheim) die allgemeine Wehrpflicht eingeführt.
1835 > Am 9.Oktober wird zwischen der Kgl. Sächsischen Regierung und dem Hause Schönburg zur Erläuterung der Rezesse von 1740 der sogenannte Erläuterungsrezess geschlossen. Hierdurch werden auch allerhand Änderungen auf dem Gebiete des Kriegswesens im Schönburgischen getroffen, die sich insbesondere durch die Einführung der Wehrpflicht 1832 mit nötig gemacht hatten. So wird u.a. bestimmt, dass die zur Vervollständigung der Kgl. Sächsischen Armee in Kriegs- und Friedenszeiten erforderlichen Mannschaften in den Schönburgischen Rezessherrschaften nach den jedes Mal bestehenden gesetzlichen Bestimmungen auszuheben seien. Ein Sonderrecht bestehe aber darin, dass die Geschäfte der Aushebung (Rekrutierung) der Schönburgische Kanzleidirektor vornehmen kann, der somit in dieser Angelegenheit an die Stelle eines sächsischen Amthauptmanns tritt.
1836 > An der alten Schule wird eine zweite Schulstube angebaut.
> Am 5.April wird zwischen dem Dingstuhl Ziegelheim und Melchior Rauschenbach ein Baucontract über den Bau eines neuen Spritzenhauses geschlossen. Am 1.Oktober wird der fertige Bau durch die Gemeinde ohne Einwände abgenommen und am 4.November bestätigt Melchior Rauschenbach den vollständigen Empfang der vereinbarten 110 Thaler (Mfl) für den Bau.
1838 > In diesem Jahr wird das Ziegelheimer Gemeindebuch begonnen.
> Johann Jacob Lipfert ist Feuerpolizeikommissar, Michael Quaas wird als Richter genannt und Georg Etzold ist Schöppe.
> Am 26.Mai wird in der Gemeinde per Anschlag von der neuen Feuerspritze (samt einer Zeichnung) berichtet, sowie ihre Begutachtung durch Stadtrat Christian Friedrich Morgenstern. Die Bezahlung hatte in preußischem Gelde zu erfolgen. Weiter heißt es: „Und wird mit nach 1/12 normal Münze bezahlt.“ Der Revisionsbericht stellt fest, „der Wasserstrahl sollte 60 Ellen weit gehen, geht aber bloß 54 Ellen weit, aber bei Kraftanstrengung wird`s gehen“. 8 Taler bekommt Stadtrat Morgenstern für Besichtigung und Untersuchung der Feuerspritze.
> Amtsantritt des Pfarrers Gotsch, der 1852 sein Amt niederlegt und in die USA auswandert.
> Ziegelheim hat 14 Güter, 33 Gartengüter und 62 Häuser.
1839 > In diesem Jahr wird das Niederarnsdorfer Gemeindebuch begonnen.
> Niederarnsdorf hat 8 Güter, 1 Handgut (die Mühle, eigentlich Ziegelheimer Flur) und 4 Häuser.
> Johann Jacob Lipfert ist Feuerpolizeikommissar.
> Am 5.März werden zum Spritzefahren verpflichtet: Abraham Winter, Bauer in Ziegelheim und Gottfried Graichen, ebenfalls Bauer in Ziegelheim. Zur Rotte der Spritze gehören: Gottfried Lipfert, Melchior Hans, Elias Helbig, Michael Gräfe, Gottfried Aurich, Gottfried Dietze, Sifia Walther, Abraham Dietze, Jacob Seiferth, Gottfried Taubert, Gottfried Heindtke, Wilhelm Kertscher, Gottlieb Kertscher, Michael Deimann, Gottfried Kühn und Gottfried Sprotte.
1841 > Am 5.Februar wird auf einer Sitzung von Ziegelheimer Gemeinderat und Parochievertretern diskutiert, wie die geborgten 400 Thaler für die Bezahlung der neuen Feuerspritze aufgeteilt werden sollen. Die Mehrheit von 18 Stimmen setzt durch, das jeder nach Größe seines Hofes (in Acker; je zwei Acker entspricht ein Sitz) sich beteiligen solle. Die zwei übrigen Stimmen, welche eine Beteiligung nach Kopf und Sitz durchbringen wollten, sind damit „wegen der Mehrheit der Stimmen zur Ruhe gebracht“ worden.
> Am 26.Februar kommen in der Wohnung des Gemeindevorstandes sämtliche Mitglieder des Gemeinderates zusammen, um auf Basis der Diskussionsergebnisse vom 5.Februar Entscheidungen zu fällen. Es wird hierbei beschlossen, „wie das Geld zur neuen Spritze in dasiger Gemeinde solle aufgebracht werden.“ Der Beschluss lautet: „Es werden daher nach dem heutigen Beschlusse zu diesem Bedürfnis 2/3 nach dem Ackergehalt (Feldgröße) und 1/3 nach den Sitzen in verhältnismäßigen Klassen der Wohnung und die Unansässigen als Hausgenossen zur einer einfachen Anlage einen Neugroschen beizutragen. Der Gemeindevorstand behält sich vor, das Heberegister zur Übersicht an die Gemeindepersonen zu senden und selbiges mit zu unterschreiben.
1842 > Ziegelheim erlebt eine große Dürre. Es fällt fast 4 Monate kein Regen. Es kommt zu einer akuten Wassernot. Das Obst fällt vor Trockenheit von den Bäumen, Kraut und Gemüse verdorren auf den Feldern. Aus Futtermangel mussten Bauern Teile ihres Viehbestandes abschaffen.
1843 > Eine sehr reich gesegnete Ernte gleicht die im Vorjahr eingetretene Not wieder aus.
1847 > Ziegelheim erlebt Teuerungen.
1848 > Einflüsse durch die Bürgerliche Revolution auch in Ziegelheim. In diesem Zusammenhang wird auch auf den Pfarrer Gotsch (1838) verwiesen, auf dessen Geschichte an anderer Stelle noch einmal eingegangen wird.
> In diesem Jahr existieren in Ziegelheim 93 Feuerstätten (heute würden wir Haushalte sagen).
> Ziegelheim zählt 40 Teiche.
1851 > Ein eher feuchtes Jahr mit zahlreichen Gewittern schadet der Ernte kaum, erschwert jedoch das Ernten an sich ungemein.
1852 > Durch schlechte Witterung und Schneckenfraß haben die Wintersaaten sehr gelitten. Dadurch steigen die Preise.
> Am 16.Dezember wird als neuer Feuerwehrkommissar der Ziegelheimer Schankwirt Johann Lipfert gewählt. Zuvor legte Gottfried Wachler sein Amt nieder.
1853 > Einem ungewöhnlich milden („italienischem“) Winter folgt ein Frühjahr mit Schneefällen. Der Schnee bleibt allerdings nicht liegen. Die Ernte wird zwar reichlich, jedoch ist alles Getreide zu sehr„ins Stroh gewachsen“, sprich es gibt sehr niedrige Erträge, der Getreidepreis steigt sehr hoch.
> Es grasiert eine Tollwutepidemie.
> Am 17.Juli wird darüber beraten, wer die Trommel erhalten solle, um das Feuersignal zu geben. Als Ergebnis soll diese einstweilen beim Vorstand Schneider bleiben.
1854 > Die Trommel zum Geben des Feuersignals übernimmt Gottfried Heinksche, Schuhmachermeister aus Ziegelheim.
> Am 9.Februar Brand bei Gottfried Heinke, Gartengutsbesitzer, Erb- und Schankwirtin Ziegelheim. Noch im selben Monat beschließt die Gemeinde einen Dank ins Altenburgische und ins Schönburgsche (Land) zu schicken, wegen der schnellen Herbeischaffung von Feuergerätschaften beim Heinkschen Feuer seitens der Nachbargemeinden. Auf derselben Gemeindesitzung werden erste Verhandlungen, die Abräumung der Brandstelle des Gottfried Heinkschen Gartengutes betreffend, geführt. Hierbei wird beschlossen, dass die Pferdebesitzer unter den Handbauern und Bauern „abfahren sollen“ (Schutt wegfahren) und die Übrigen „die Hand fronen sollen“ (Aufräumungsarbeiten). Ferner wird beschlossen, dass diejenigen, die Brot und Brandwein und andere Esswaren verabreicht haben, aus Finanzmitteln der Parochie entschädigt werden. Es werden Untersuchungen gegen einen Wilhelm Gebauer aus Werdau wegen des Verdachts der Brandlegung geführt.
> Das Ziegelheimer Sturmfass kommt beim Scheunenbrand bei Heinig in Schwaben zum Einsatz.
> Auf der Gemeindesitzung am 5.Dezember bringt Michael Fiedler aus Uhlmannsdorf zum Vortrag, dass er Entschädigung von der Kommune für sein Pferd fordere, welches beim Scheunenbrand bei Heinig in Schwaben dass Sturmfass schleifte, stürzte und tot liegen blieb. Es wird beschlossen, dass „von der Kommune keine Entschädigung verwilligt werde, wenn die Brandkassenverwaltung demselben keine gewähre“.
1855 > Auf der Gemeindesitzung am 2.Mai wird unter anderem beraten, was der am 9.2.1854 brandverunglückte Gartengutsbesitzer Erb- und Schankwirt Gottfried Heinksche allhier, zur Unterstützung erhalten solle. Es wird beschlossen, dass derselbe 40 Reichstaler erhalten solle. Weiterhin soll eine Kommuneneinlage von 2 Einheiten und 1 Groschen vereinnahmt werden. Auch wird beschlossen, das der Ökonomiepächter Petzold 5 Taler erhält (wahrscheinlich beim Brand mitbetroffen).
> In Ziegelheim wird am 24.September ein Jugendverein gegründet.
1857 > Im Sommer suchen einige schwere Gewitter unsere Gegend heim.
1858 > Verlust von Einem Viertel der Ernte wegen Frost im Frühjahr und Nässe zur Erntezeit (vom 30.Juli bis 2.August regnete es ununterbrochen).
> Am 21.April ist ein Nordlicht zu sehen.
1859 > Die Volksbank Altenburg wird gegründet.
1864 > Brand der Brauerei von Gottfried Graichen aus Ziegelheim.
> Am 5.Oktober fällt der erste Schnee (frühester Termin seit 50 Jahren).
> In diesem Jahr wird erstmals eine Ehrenhainer Feuerwehr erwähnt.
> Am 7.Juni wird dem Feuerwehrkommissar die Anschaffung von weißen Binden für die Feuerrotte bewilligt und Selbem die Anschaffung und Handhabung überlassen.
1865 > Am 18.Februar fallen so ungeheure Schneemassen, das aller Verkehr zum Erliegen kommt. Der Schnee bleibt bis Mitte April liegen und taut dann bis Gründonnerstag weg.
1866 > Gründung einer Krieger-Kameradschaft in Ziegelheim innerhalb des Kreiskriegerverbandes Glauchau.
> Brand des Speck`schen Gutes in Hoyersdorf (heut ein Teil von Gähsnitz).
> Gottfried Rauschenbach ist Kassierer für den Feuerwehrverband Ziegelheim-Thiergarten-Uhlmannsdorf-Niederarnsdorf. Gottfried Schnabel ist Kassierer für die Gähsnitzer Feuerwehr.
1867 > Am 5.Mai fällt der letzte Schnee eines sehr langen Winters.
1868 > Am 1.Januar nimmt die „Centralkasse zur Förderung des Feuerlöschwesens“ ihre Arbeit auf. In dieser Centralkasse haben sich die Gebäude-Brandversicherungsanstalt und die im Lande concessionierten Mobiliar-Feuerversicherungsgesellschaften vereinigt.
1869 > Der 10-jährige Sohn des Adam Salzbrenner aus Thiergarten wird durch Messerstiche eines jähzornigen Knaben getötet.
> Am 16.Januar beschließt der Dingstuhl (die Vorstände der 4 Gemeinden), das künftig die Spritzenschmiere und die Besoldung des Spritzenführers nicht mehr aus der Dingstuhlkasse sondern aus der Feuerlöschkasse bezahlt werden.
> Am 20.Januar wird der älteste Niederhainer Verein, der „Verein zur Fortbildung“ ins Leben gerufen. Ihm gehören von Beginn an auch Personen aus Hinteruhlmannsdorf (heute der Ziegelheimer Ortsteil Engertsdorf) an.
1870 > Ab ungefähr diesem Jahre bis nach 1909 ist Adam Kramer in Niederarnsdorf als Gemeindevorstand tätig. Außerdem machte er sich als langjähriger Chronist von Niederarnsdorf verdient.
> Am 6.April kann man ein prächtiges Nordlicht über den ganzen Himmel beobachten.
> Am 24.Oktober kann man fast 3 ½ Stunden ein herrliches Nordlicht beobachten.
> Es gibt einen strengen Winter auf 1871.
1871 > dieses Jahr und 1830 sind die kältesten Jahre des 19. Jahrhunderts.
1870 - 71 > Krieg gegen Frankreich, der Deutsche Bund siegt. Als Folge wird das Kaiserreich proklamiert, Elsass-Lothringen von Frankreich getrennt und in das Reich eingegliedert. Auch aus Ziegelheim ist ein Kriegsteilnehmer bekannt: Franz Hermann Taubert, welcher 1943 im Alter von 94 Jahren stirbt. Er ist der Großvater von Walter Taubert, der im 2.Weltkrieg Ziegelheimer Bürgermeister ist. Seine letzten Lebensjahre verbringt Franz Hermann bei seinem Enkel, Wohnort sind die Berghäuser (heute Etzold,Wolfgang), welche seit 1945 zu Niederarnsdorf gehören.
1872 > In einem Schreiben vom 20.Februar an das „Königlich Hohe Ministerium des Inneren“ zu Dresden weist der „Landesausschuss Sächsischer Feuerwehren“ durch seinen Vorsitzenden, den Städtischen Feuerlöschdirektor Gustav Kitz auf „höchst mangelhafte und veraltete Feuerlösch-Einrichtungen, nicht nur in den meisten Dorfschaften, sondern auch in einer ziemlichen Anzahl Städte, sowohl was die Organisation der Feuerwehren, als auch was die Lösch- und Rettungsmittel anlangt“ hin. Weiter schlüsselt das Schreiben auf, das es im Kreisdirektionsbezirk Zwickau um diese Zeit 81 Freiwillige und 84 Pflichtfeuerwehren ininsgesamt 58 Städten (davon gibt es in 45 eine Feuerwehr) und 886 Ortschaften gibt. Die alte, noch gültige Dorf-Feuer-Ordnung vom 18.Februar 1775 genügt den Ansprüchen längst nicht mehr. Darin steht unter anderem geschrieben:“ Man sollte glauben, dass die Ortseinwohner selbst diejenigen Mittel aufsuchten, ihr Hab und Gut besser vor der Zerstörung durch die Flammen zu wahren und ihren - ob größeren, ob geringeren Wohlstand gegen Verlust zu schützen.“ Der Landesausschuss Sächsischer Feuerwehren prangert dem widersprechend an : „Dem ist aber, wie wir wissen und statistische Aufstellungen uns bestätigen, meistentheils nicht so. Bei Feuergefahr thut jeder, was er will. Viele wollen befehlen, Wenige gehorchen!“ Die „Königlich Hohe Staatsregierung“ auferlegt den Gemeinden, innerhalb einer bestimmten Zeit und bei Androhung einer Strafe, Feuerlöschordnungen einzuführen und brauchbare Feuerspritzen anzuschaffen.
> Am 6.März hinterlässt ein Erdstoß einen sichtbaren Riss am 54 Meter hohen Kirchturm. Es wird eine Verankerung am Turm angebracht.
> Die Blattern grasieren in Ziegelheim.
> Brand des Hauses von Tischler Uhlig in Uhlmannsdorf.
> Am 21.Juni findet eine Beratung, die neue Feuerlöschordnung betreffend, statt. Außerdem werden ein Feuerlöschdirektor samt Stellvertreter, sowie ein Spritzenführer samt Stellvertreter gewählt.
> Am 26.Juni wird folgende Anzeige der Gemeinde Ziegelheim veröffentlicht: „Anzeige über Feuerordnung in der ganzen Parochie Ziegelheim. Zum Feuerlöschdirektor ist gewählt worden Handgutsbesitzer August Hertzsch in Ziegelheim und Stellvertreter Gutsbesitzer Lorenz Wirth in Ziegelheim und Häusler Schmiedemeister August Knöfler in Uhlmannsdorf als Spritzenführer. Dessen Stellvertreter Häusler Klempnermeister Ludwig Schreier in Ziegelheim. Solches bescheinigt. Ziegelheim den 26.Juni 1872. Gottfried Börnchen, Gemeindevorstand.“
> Am 21.August wird folgende Anzeige der Gemeinde Gähsnitz veröffentlicht: „Eingegangen am 21.August 1872. Anzeige über die Feuerlöschordnung in der Gemeinde Gähsnitz. Die Gemeinde Gähsnitz hält bei der Spritze zu Oberwiera, außerdem fährt sie bei vorkommenden Fällen das Sturmfass, wobei vier Mann die Rotte haben, vier Mann sind zum Ausräumen und vier Mann zur Wachmannschaft bestimmt. Und der Gutsbesitzer Valentin Etzold in Gähsnitz wurde zum Feuerlöschdirektor gewählt. Bescheinigt. Gähsnitz, den 17.August 1872. Hermann Vogel, Gemeindevorstand.“
> Am 23.August wird durch die Gemeinden Ziegelheim, Thiergarten, Uhlmannsdorf und Niederarnsdorf ein neues „Reglement über die Spritzenführer und sogenannte Rotte betreffend“ verabschiedet. Es regelt für alle vier Gemeinden den Brandschutz, das Verhalten beim Brande, die Verantwortung über die Löschtechnik und die Höhe der Bußgelder bei Fehlverhalten. Des Weiteren wird Beschluss darüber gefasst, dass die Spritzenfuhren und auch die Rotte fortan aus der Feuerlöschkasse bezahlt werden.
> Seit dem abgelaufenen Jahr werden in der Region verschiedenen Orts Kohlefelder ohne Land verkauft. Das führt dazu, dass eine große Anzahl kleiner privater Kohleminen als Zusatzverdienst für Bauern, Landarbeiter, … entstehen. Sie können unterirdisch über ihre Grundstücksgrenzen hinaus vorhandene Kohlevorkommen ausbeuten. Da sich diese kleinen Betriebe schon bald nicht mehr rentieren, geben viele auf und verkaufen ihre Rechte wieder. Aus den Aufkäufern, so sich welche finden, entstehen die wenigen großen, bekannten, ehemaligen Kohlegruben des Umlandes.
1874 > Eine Königlich-Sächsische Verwaltungskommission für die Schönburgischen Rezessherrschaften wird eingesetzt. Dieser unterstehen ab sofort auch die Ziegelheimer Gemeindevorstände.
> Einführung der Einkommenssteuer.
1875 > Am 1.August trägt der Vorstand (Gemeindevorstände)den versammelten Anwesenden einen Erlass des amthauptmannschaftlichen Delegierten Hr.Regierungsassessor Dr.Fischer zu Chrimmitschau, betreffend eine Reorganisation des Ortsfeuerwehrwesens und Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr, vor. Die Bildung einer FFw wird seitens des Vorstandes zwar befürwortet, von sämtlichen Anwesenden aber abgelehnt. Es wird befürchtet, es würden sich nicht genügend Freiwillige finden, außerdem verstünde es sich von selbst, das jeder im Brandfalle helfen würde - auch ohne Freiwillige Feuerwehr. Ein weiterer Punkt, betreffend das Ortsfeuerlöschwesen, wird von Gemeindevorstand Oehmischen angesprochen. Er macht darauf aufmerksam, dass die jetzige Ordnung eine nicht gutheißende sei und schlägt vor:
1. Die Rotte soll nicht, wie bis her, bloß von den kleinen Ansässigen ausgeübt werden, sondern ein jeder Selbstständige, sei er Bauer, Häusler oder Unansässiger, soll verpflichtet sein, den Rottendienst zu leisten. Das heißt, bei entstehendem Feuer bei der Spritze durch auf- und niederdrücken der Selben mit tätig zu sein und der Anordnung des Spritzenmeisters Folge zu leisten. Dabei soll die Reihenfolge ganz so bleiben wie jetzt, auch von da losgehen, wo sie jetzt stehengeblieben ist. Es sollen bloß die nach der früheren Weise dazwischen fehlenden nachgeholt werden und bei den nächsten Feuern mit zugezogen werden.
2. In Bezug auf die Rettungsmannschaften soll es so gehalten, wie bei den Rottenmannschaften. Nur die Reihenfolge soll eine Umgekehrte sein. Die Zahl der jedes Mal Beteiligten richtet sich zwar nach der Größe und dem Umfang des Feuers, soll aber trotzdem eine bestimmte sein.
3. Die Wachmannschaften sollten aus solchen Leuten gebildet werden, welche bei Ausübung des Rotten- und Rettungsmannschaftdienstes entweder durch Alter oder durch schwächliche Körperkonstruktion behindert sind. Dieselben werden bei anhaltender schlechter oder strenger Witterung je nachdem, nach einer, zwei oder drei Stunden abgelöst. Die Zahl derselben richtet sich ebenfalls nach der Größe und dem Umfang der geretteten Gegenstände.
4. Das Fahren des sogenannten Sturmfasses soll nur noch bei Bränden innerhalb des Spritzenverbandes stattfinden. Nach der alten Reihenfolge kann statt des Sturmfasses auch das Jauchenfass genommen werden, „wenn sonst der Raum es her gibt“.
Diese vier Punkte werden von den Versammelten angenommen und als beschlossen festgestellt, hingegen der 5.Punkt, welcher die Anschaffung eines Wasserzubringers betrifft, abgelehnt und in die Ferne verschoben wird. Weiter wird noch gesprochen über die Spritzenfuhren, welche Johann Jacob Lipfert auf Akkord-Basis für unbestimmte Zeit übernommen hat für einen Festpreis, zuzüglich 1,50 Reichsmark pro Fuhre für den Schirrmeister nach dem Feuer. Zur Bezahlung dieser Spritzenfuhren sollen ebenfalls alle, außer den Unansässigen, mit Steuern belegt werden. Die Höhe der Steuern soll sich nach der Anzahl der Brandkasseneinheiten des Betreffenden richten. Zum Schluss beantragt der Gemeindevorsteher Pohle aus Thiergarten, dass ihm das Amt des Trommlers der Feuertrommel abgenommen werde. Dies geschieht und es wird beschlossen, dem Schuhmachermeister Julius Bauer aus Ziegelheim das Amt zu übertragen. Dieser übernimmt das Amt bereitwillig auf unbestimmte Zeit unter der Bedingung, dass er vom Feuerdienst befreit sei, solange er sein Trommler-Amt ausübt. Über dieses werden sich alle Anwesenden einig und so wird es von allen für richtig empfunden.
1876 > Rückwirkend zum 1.Januar, tritt am 6.Februar das „Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und der Eheschließung“ im Kaiserreich in Kraft. Einführung des königlichen Standesamtes (wie in ganz Deutschland). Fortan dürfen Familiennamen nur noch so geschrieben werden, wie sie standesamtlich festgeschrieben wurden.
> Am 12.Februar erinnert der Vorstand daran, dass Johann Lipfert das Spritze-Fahren abgeben wolle und das die Fuhren „anderweitig verakutiert werden sollen“ (neu vergeben werden).
> Am 23.Juni erfolgt die Fahnenweihe des Ziegelheimer Militärvereins, welcher wahrscheinlich aus der 1866 gegründeten Kriegerkameradschaft hervorgegangen ist. Es ist anzunehmen, dass die Fahnenweihe in Erinnerung an den Frankreichfeldzug 1870/71 erfolgt, an dem auch Ziegelheimer Männer nachweislich teilnahmen.
1877 > Vom 10. bis 12.Juni herrscht große Hitze, kein Tag unter 30°C.
> Am 12.Februar kommt es in Sachen Spritzenangelegenheit zu einer Zusammenkunft zwischen den Gemeindevorständen, einigen Herren der Amthauptmannschaft und dem Branddirektor Becher. Die Vorstände bringen an, eine Reparatur der Spritze würde sich nicht lohnen, es wäre besser eine neue zu beschaffen oder wenigstens einen Wasserzubringer zu erhalten. Vorangegangene mündliche und schriftliche Rücksprachen hatten bisher nichts bewirkt. Letztlich können die Herren der Amthauptmannschaft überzeugt werden. Als Abgesandte der Parochie werden Hermann Müller, Juli Fiedler und Spritzenmeister August Fiedler gewählt um mehrere Spritzen in der Umgegend zu besichtigen und mit den Fabriken Kontakt aufzunehmen. Anschließend soll den Kommunenratsmitgliedern über Fabrikat, Leistungsfähigkeit und Kosten Bericht erstattet werden.
> Am 15.November trifft sich der Kommunenrat (die Gemeindevorstände) erneut in Sachen Spritzenangelegenheit. Die Herren Fiedler und Müller geben Bericht. Die Spritzen von Göpfersdorf und Franken wurden für nicht zweckentsprechend befunden. Deshalb war man gleich nach Leipzig gereist und hatte sich an mehreren Orten umgesehen. In der Spritzenfabrik Jauck war man schließlich fündig geworden: Zwei Spritzen mit Wasserzubringer wurden für hiesige Gemeinde als tüchtig und zweckentsprechend befunden. Die Gemeinde beschließt, die Größere der beiden Spritzen sich anzuschaffen. Diese soll 1500,-RM kosten (die Kleinere soll 1200,-RM kosten). Ferner wird beschlossen, das die alten Spritzen in Uhlmannsdorf und Ziegelheim wie folgt abgeschafft werden sollen: die Uhlmannsdorfer soll an die Firma Jauck für 100,-RM in Zahlung gegeben werden, die Ziegelheimer soll versteigert werden, um ebenfalls der Bezahlung der neuen Spritze zu dienen. In Sachen Spritzenhäuser wird ferner beschlossen, das Uhlmannsdorfer Spritzenhaus von Uhlmannsdorf zu Gunsten der ganzen Kommune abtreten zu lassen und das Ziegelheimer Spritzenhaus zu Gunsten der Spritzenfinanzierung zu versteigern. Die neue Spritze schließlich solle im Uhlmannsdorfer Spritzenhaus untergebracht werden, welches vorher noch gehörig vorgerichtet werden soll. Der letzte Beschluss beinhaltet, dass nur die neue Spritze bei Bränden außerhalb des Spritzenverbandes zu Einsatz kommen soll und das ab Neujahr 1878 das Fahren der Spritze („Zubringer“) fest vergeben wird.
1878 > Bis zu diesem Jahr gehört die Filiale Franken zur Kirche Ziegelheim, danach zur Kirche Schlagwitz.
> Brand des Wirtschaftsgebäudes des Gutsbesitzers Christoph Rauschenbach in Niederarnsdorf.
> Auf Kosten beider Gemeinden wird zwischen Niederarnsdorf und Uhlmannsdorf ein Fahrweg angelegt. Die Unterhaltung des Weges liegt aber in Uhlmannsdorfer Hand.
> Der erste Sportunterricht wird in Ziegelheim eingeführt - als Sommerturnen.
> Das Jahr bringt eine so reiche Obsternte, das viele Bäume trotz Stützen unter der Obstlast zusammenbrechen.
> Am 22.Februar werden die Protokolle aus den vorangegangenen Sitzungen (siehe Februar und November 1877) verlesen und unterschrieben (also in Kraft gesetzt). Ferner wird der 25.Februar als Termin festgesetzt, um die neue Spritze zu erproben und mit der alten zu vergleichen. Der Gemeindediener solle dazu allgemein einladen.
> Am 15.September ändern die Gemeinden des Kommunalverbandes übereinstimmend den Beschluss vom 1877 dahingehend, dass das alte Ziegelheimer Spritzenhaus, ohne Angabe von Gründen, bis auf weiteres nicht verkauft werden soll. So gelangt am 15.September nur die alte Ziegelheimer Spritze an den Meistbietenden zum Verkauf: Gottfried Benndorf ersteht die Spritze für 21,-RM.
> Am 15.November nimmt die neu geschaffene Amthauptmannschaft Glauchau ihre Tätigkeit als Verwaltungsapparat auf. Ihr unterstehen ab sofort auch die Gemeindevorstände. Die Königl.-Sächs. Verwaltungskommission beendet nach 4 Jahren ihre Tätigkeit.
> Am 15.Dezember lässt als unterzeichnender Verantwortlicher der Niederarnsdorfer Gemeindevertreter Adam Kramer bei sämtlichen Fuhrwerksbesitzern bekannt machen, dass zur Ausführung eines früheren Kommunalbeschlusses am selbigen Tage, nachmittags 3.00Uhr, die Spritzenfuhren vergeben werden sollen. Es erscheinen auch mehrere Fuhrwerksbesitzer im gewöhnlichen Kommunensitzungslokal. Die Bedingungen werden vom Gemeindevorstand Oehmigen bekanntgegeben, so u.a., dass nur mit der neu angekauften und in Uhlmannsdorf untergebrachten Spritze auswärtsgefahren wird. Wer die Spritzenfuhren übernehme sei zudem vom heutigen Tage an, auf sechs aufeinanderfolgende Jahre an die Bedingungen gebunden. Es wird mit der Feuerspritze erst dann abgefahren, wenn zum zweiten Mal Feuerlärm geschlagen wurde. Auch hat der, welcher die Fuhre übernimmt, den bedienenden Spritzenmeister mitzunehmen. Die Fuhren werden an den Mindestfordernden (der am wenigsten Verlangende) vergeben. Das Gebot gilt für das einmalige Hin- und Rückbringen der Feuerspritze. 2 RM bekommt der zum Geschirr gehörige Knecht unabhängig vom letztlich erfolgreichen Gebot. Wer die Fuhren übernimmt hat einen Stellvertreter für sich zu besorgen und dafür Sorge zu tragen, das die Feuerspritze im Verhinderungsfall trotzdem „aus dem Orte“ (an Ort und Stelle) kommt. Nach Bekanntgabe der Bedingungen bekommt der Gutsbesitzer August Hertzsch aus Ziegelheim den Zuschlag. Seine Mindestforderung für die Fuhren in Höhe von 9 RM ist letztlich erfolgreich.
1879 > Am 23.Februar erfriert der Schneider Michael Hofmann aus Thiergarten bei heftigem Schneegestöber im Förstchen (welches an einem Hohlweg lag, durch den der alte Weg nach Heiersdorf führte- entspricht in etwa der heutigen „LPG-Straße“). Der ungewöhnlich starke Schneefall dauert noch bis zum 25.Februar an.
> Am 9.März wird auf der Kommunen-Versammlung zur Erwähnung gebracht, dass Gottfried Benndorf seiner Verpflichtung betreffs des Aufkaufs der alten Spritze trotz mehrmaliger Erinnerungnicht nachgekommen ist. Es wird einstimmig beschlossen, die Spritze nicht an Gottfried Benndorf abzugeben, sondern sie erneut zu versteigern. Da Eduard Oehmischen ebenfalls 21,-RM bietet, wird beschlossen, ihm die Spritze zu verkaufen. Ferner kommt es zu einer Abstimmung, was mit dem alten Ziegelheimer Spritzenhaus nun geschehen solle. Mit 15 gegen 5 Stimmen wird für den Verkauf auf Abbruch gestimmt (vermutlich kann der Käufer mit dem Grundstück machen was er will, u.U. sogar das Spritzenhaus auf seine Kosten abreißen).
> Die Osterfeiertage sind kalt und unfreundlich. Am 18.April gibt es erneut bedeutenden Schneefall.
> Bereits am 15.Oktober tritt der erste Schneefall ein (dies passierte in den letzten 50 Jahren nur 1864 früher, nämlich am 5.Oktober).
1880 > Der viele Regen im August macht die Felder derart nass, dass das Getreide am Halm an den Ähren wieder auswächst. So verwandeln sich die Ähren größtenteils wieder in grüne Pflanzen, was ein regelrechtes Naturwunder darstellt.
1881 > Der 25.Juni bringt bereits 10.00 Uhr 22°C, der Mittag lässt das Thermometer 28°C anzeigen.
> Am 19.November erlässt der Kaiser eine Botschaft an den Reichstag, betreffend die Gesetzgebung zur `Förderung des Wohles der Arbeiter`. Die Botschaft ist Grundlage für das Krankenversicherungsgesetz von 1883 und die Unfallversicherungsgesetze von 1884 bis 1887.
1882 > Unter den Ziegelheimer Kindern bricht das Scharlachfieber aus.
> Nach erfolgter Bekanntmachung wird am 30.April, nachmittags 3.00Uhr, in der Vogel`schen Schankwirtschaft die Spritzenfuhre neu vergeben. Es sind mehrere Fuhrwerksbesitzer erschienen. Abraham Schmidt, Gemeindeältester in Ziegelheim, gibt die Bedingungen bekannt. Wer die Spritzenfuhren übernehme sei vom heutigen Tage an, 3 Jahre an die Bedingungen gebunden. Es wird mit der Feuerspritze erst dann abgefahren, wenn zum zweiten Mal Feuerlärm geschlagen wurde. Auch hat der, welcher die Fuhre übernimmt, die Verpflichtung, den bedienenden Spritzenmeister mitzunehmen. Es wird die neu angekaufte und im Uhlmannsdorfer Spritzenhaus untergebrachte Feuerspritze nach auswärts gefahren. Die Fuhren werden an den Mindestfordernden vergeben und das Gebot gilt für das einmalige Hin- und Zurückbringen der Feuerspritze. 2 RM bekommt der zum Geschirr gehörende Knecht unabhängig vom letztlich erfolgreichen Gebot. Wer die Fuhren übernimmt hat einen Stellvertreter für sich zu besorgen und dafür Sorge zu tragen, das die Feuerspritze im Verhinderungsfall trotzdem „aus dem Orte“ (an Ort und Stelle) kommt. Gutsbesitzer Albin Weber aus Uhlmannsdorf erhält den Zuschlag für die Fuhren als Mindestfordernder für 9 RM.
1883 > Der 400. Geburtstag Martin Luthers wird im Ort festlich begangen und Luther zu Ehren eine „Luthereiche“ am östlichen Dorfeingang auf Pfarrland gepflanzt.
> Aufgrund der kaiserlichen Botschaft von 1881 wird das Krankenversicherungsgesetz für das Deutsche Reich erlassen.
1883 auf 84> In diesem Winter herrscht denkbar ungünstiges Wetter. Nur zu Beginn des Dezembers gibt es etwas Kälte. Die 2.Dezemberhälfte und auch Januar und Februar bleiben ohne Schnee, was für die damalige Zeit fast undenkbar ist. Das Wetter ist sehr neblig und feucht. Im Januar fegen heftige Stürme über die Region, so dass in den Gärten zahlreiche Bäume entwurzelt werden. In der ersten Februarhälfte grünen die Wiesen und an Bäumen und Sträuchern treiben die Knospen. Diese eigenartigen Witterungsverhältnisse verursachen viele Kinderkrankheiten. Eine Diphtherieepidemie bricht in Ziegelheim aus. In Niederhain wird von Scharlach- und Maserepidemien berichtet. Zahlreiche Kinder in der gesamten Region sterben an diesen Krankheiten.
1884 > Einrichtung einer Postagentur in Ziegelheim.
> Das (alte) Schulgebäude wird mit zwei Blitzableitern versehen.
> Bis 1887 werden mehrere Unfallversicherungsgesetze für das Deutsche Reich erlassen (Siehe auch 1881!).
1885 > Am 9.September Abnahme des Turmknopfes vom Kirchturm zu Reparaturzwecken.
> Der Knopfinhalt (die Dokumente) wird in Mehners Gasthof der Gemeinde zur Kenntnis gegeben.
> Der Knopfinhalt wird durch Niederschriften des Pfarrers Hoffmann, sowie der an der Schul- und Gemeindespitze stehenden Personen ergänzt und aktualisiert.
> Im September gibt der Gemeindevorstand bekannt, das gemäß einer Anregung der königlichen Amthauptmannschaft die veraltete Feuerlöschordnung für Ziegelheim, Uhlmannsdorf, Thiergarten und Niederarnsdorf überarbeitet und der jetzigen Gesetzgebung angepasst werden soll. Die von der Amthauptmannschaft vorgeschlagenen (und von L.Heinrich in Dresden gedruckten) Statuten werden dazu überarbeitet und mit kleinen Abänderungen der königl. Amthauptmannschaft zur Genehmigung vorgelegt.
> Am 21.Dezember werden Jacob Kästner zum Feuerlöschdirektor und Julius Hertzsch zu seinem Stellvertreter gewählt. Zugführer wird Albin Weber. Sein Stellvertreter aus der Löschmannschaft wird Jacob Klöser, Stellvertreter aus der Rettungsmannschaft Luis Wunderlich. Zum Spritzenmeister wird Alexander Herrmann gewählt. Zur Wachmannschaft gewählt werden M.Anke, J.Mahn und H.Bauch. Verantwortlich für die Wahl sind Franz Wachner und Jacob Schmidt.
1886 > Einführung einer Postagentur mit Telegraphenstation in Langenleuba-Niederhain. Dieses Postamt ist fortan für die Postzustellung der im Umkreis befindlichen Gemeinden zuständig, darunter auch Hinteruhlmannsdorf (heutiger Ziegelheimer Ortsteil Engertsdorf).
> Am 4.Januar lehnt Jacob Kästner das Amt des Feuerlöschdirektors (Wahl im Dezember 1885) ab. Durch Stimmzettel wird Franz Wachler beauftragt, das Amt zu übernehmen.
> Am 27.Mai wird seitens des Gemeindeverbandes einstimmig beschlossen, sich mehr Spritzenschläuche anzuschaffen und zwar so viele, das die weiteste Entfernung zum Wasser überbrückt werden könne. Zu kaufen seien die Schläuche bei Friedrich Friedemann in Langenleuba-Niederhain. Sie sollen „für die Brauchbarkeit gut“ sein. Des Weiteren solle zum Alarm machen eine Trommel oder ein Horn angeschafft werden. Ferner wird beschlossen, dass auf Kosten der Parochie-Kasse die Feuerhacken der Parochie repariert werden sollen.
> Am 15.September wird ein neuer Feuerlöschdirektor gewählt. Mit 8 Stimmen ist Adam Börnichen gewählt, lehnt das Amt jedoch ab. (Es ist anzunehmen -aber nicht bestätigt- das Luis Börnichen, mit 7 Stimmen Zweitplazierter, neuer Feuerlöschdirektor wurde.)
> Am 20.Dezember, bei großem Schnee, erfrieren nachts die vom Handel heimkehrenden Eheleute Johann Gottfried Drechsler (73-jährig) und Sophie, geb. Lipfert (71-jährig). Es wird berichtet, dass die ganze Region (mit dem gesamten Altenburger Ostkreis) seit 1879 keinen so starken Schneefall mehr erlebt hat.
> In diesem Jahr stellt Bezirksschulinspektor Gruhl fest, das das zweite Lehrzimmer in keinster Weise den Ansprüchen genügt. Er fordert Reparaturbau. Ein Voranschlag beziffert die Umbaukosten auf 9000,-Reichsmark. Es mehren sich Stimmen für einen Schulneubau. Adam Müller aus Niederarnsdorf beruft eine allgemeine Schulsitzung mit Heranziehung sämtlicher Parochiemitglieder ein. Die Abstimmung fällt mit 18 gegen 4 Stimmen (bei einer Enthaltung) zu Gunsten des Schulneubaus aus. In der Folgezeit müssen unter Schwierigkeiten Landkauf bzw. Landtausch mit der Kirche und dem Bauern Jakob Börngen geregelt werden.
1887 > Im März gibt der Vorsitzende (der Gemeindevorstände) bekannt, das die Spritzenschläuche mit „Gemeinde Ziegelheim“ gezeichnet wären, was seiner Ansicht nach nicht recht wäre. Nach längerer Debatte einigt man sich, dass „Gemeinde“ gestrichen und durch „Kommune“ ersetzt werden solle. (Hintergrund: Die Feuerwehr war keine Ziegelheimer Gemeindefeuerwehr, sondern die des Gemeindeverbandes Ziegelheim, Niederarnsdorf, Uhlmannsdorf und Thiergarten, auch Kommune genannt.) Weiter gibt der Vorsitzende bekannt, dass man sich entschließen müsse, ob der Schlauchwagen behalten werden oder Retour gegeben werden soll. Nach längerer Debatte kommt man zum amtlichen Entschluss, den Selben anzunehmen. Mit dem Lieferanten soll in Unterhaltung getreten werden. (Anmerkung: Der Chronist entnimmt dem Text die Vermutung, das die Feuerwehr einen neuen Schlauchwagen auf Probe hatte.)
> Am 8.April wird durch den Spritzenführer in der Mahn`schen Schänke die Spritzenfuhre neu vergeben (siehe auch 1878 und 1882). Den Zuschlag erhält der Uhlmannsdorfer Gutsbesitzer Julius Müller für seine Mindestforderung von 27 RM.
> Auch dieses Jahr ist von extremen Witterungsbedingungen gezeichnet. Mitte bis Ende April kam es zum erneuten Wintereinbruch mit Schneefällen. Ende April wurde es schwülwarm mit Gewittern. Bereits in der Nacht vom 13. zum 14.Oktober kehrte der Winter mit ungewöhnlich starken Schneefällen zurück.
1888 > Am 29.März führt ein erstes Gewitter, welches von starken Regenfällen und orkanartigen Stürmen begleitet wird, zu zahlreichen Entwurzelungen von Bäumen.
> Am 27.Oktober werden Julius Herzsch aus Ziegelheim zum neuen Feuerlöschdirektor und Adam Graichen zu seinem Stellvertreter gewählt, nachdem die Amtszeit des Vorgängers abgelaufen war.
1889 > Am 18. März führen extreme Regenfälle zusätzlich zum starken Tauwetter in der ganzen Region zu überschwemmten Feldern und Wiesen, sowie über die Ufer tretende Bäche und Flüsse.
> Am 12.Juli wird Ziegelheim von Hagelwetter heimgesucht.
> Brand des Wohnhauses von Gottfried Kirmse in Ziegelheim.
1890 > Abriss der alten Schule.
> Erweiterung des Gottesackers (Gelände der alten Schule).
> Fertigstellung der neuen Schule: -2 geräumige Lehrerzimmer, -2 Lehrerwohnungen, -1 Wohnung für den Hausmeister (auch Lautmann, Kalkant und Totengräber). Diese Wohnung war jedoch zu klein geraten. Sie wurde von Robert Hertzsch und Familie bewohnt, der vorgenannte Ämter ausübte. Kosten für den Schulbau: 30.000,-RM. Die Bauleitung hatte Maurermeister Alexander Hemmann inne.
> Am 23.10.1890 findet im Beisein des Schulrates Lötzsch die Weihe der neuen Schule statt.
> Bei Grabungen zum Schulneubau und im Schmiedegarten werden hohle Räume gefunden, welche wahrscheinlich zu einem alten Wachturm oder einer Kapelle einer alten Burg gehören, die auf Albert Börnichens Gut (ehem. Alfred Friedewalds -, heute Klaus Riegers Gut) gestanden haben soll. Albert Börnichen besaß eines der drei nicht verwandten Börnichen-Güter die in unmittelbarer Nachbarschaft bei der Kirche stehen. Er wurde auch der „Ziegler“ genannt, wegen der ihm gehörenden Ziegelscheune.
> Abriss der letzten Ziegelheimer Windmühle. Die Bruchsteine des massiven Unterbaus wurden beim Neubau der Schule verwendet.
> Am 9.März wird auf Antrag beschlossen (einstimmig), ein Feuerwehrhorn für die jetzige Pflichtfeuerwehr anzuschaffen.
> Am 26.März wird die Spritzenfuhre verdingt (neu vergeben), für den Zeitraum 1.April 1890 bis 1893. Jacob Köster aus Uhlmannsdorf erhält 17 RM dafür, die Feuerspritze bis in einen Umkreis von 6 km zu fahren. Die betreffenden Ortschaften sind unter §17 in der Feuerlöschordnung angegeben.
1892 > Am 26.Juni findet im Saal des Weber`schen Gasthofes die 43. Hauptversammlung des Rezessherrschaftlich Schönburgischen Zweigvereins der Gustav-Adolph-Stiftung statt.
> Im September diesen Jahres wird zwischen Ziegelheim, Gähsnitz, Niederarnsdorf, Uhlmannsdorf und Thiergarten eine politische Einheit geschaffen (wobei sich der Chronist auf Aufzeichnungen beruft; „Politische Einheit“ ist dabei nicht genauer definiert; der Chronist vermutet, das es sich um eine Vorstufe der Eingemeindung und Schaffung von Ortsteilen handelt;).
> Im Dezember reichen Feuerlöschdirektor Julius Herzsch und Stellvertreter Adam Graichen aus Ziegelheim ihre Entlassung ein. Die Neuwahl fällt auf Albin Weber aus Uhlmannsdorf als Feuerlöschdirektor und Otto Berger als Stellvertreter. Schließlich „wird noch zum Beschluss erhoben“, dass für nach auswärts fahrende Spritze noch 2 neue Brustketten angeschafft werden sollen.
1893 > Im Februar dieses Jahres geht die Gemeinde Thiergarten in Ziegelheim auf.
> Im März wird die Spritzenfuhre für das Mindestgebot von 13,50 RM vergeben.
> Im Juni kündigt Albin Weber sein Amt als Feuerlöschdirektor, zum neuen wird Edwin Rauschenbach gewählt.
> Vermutlich wegen einer Missernte leitet Ziegelheim unter Futtermangel.
1895 > Im Januar brennt die Scheune bei Bruno Winter in Uhlmannsdorf.
> Uhlmannsdorf hat 284 Einwohner (131 männl. und 153 weibl.)
> Neuwahl des Feuerlöschdirektors und des Spritzenmeisters: neuer Feuerlöschdirektor wird Luis Mehlhorn, neuer Spritzenmeister wird Max Schreier.
1896 > In diesem Jahr stellt die Börnichen`sche Ziegelei ihre Tätigkeit ein. Die Bezeichnung „Zieglerbörnichen“ ist heute noch geläufig - siehe auch 1890, 3.Abschnitt!
> Seit diesem Jahr gibt es in Langenleuba-Niederhain eine Postagentur mit Telegrafenstation. Von diesem Postamt aus erfolgt auch die Zustellung nach Hinteruhlmannsdorf (Engertsdorf) bis 1932.
> Im Juli wird der Ziegelheimer Turnverein gegründet.
> Am 7.Oktober Neuwahl des Feuerlöschdirektors und seines Stellvertreters. Neuer Feuerlöschdirektor wird Adam Weber, sein Stellvertreter Jakob Kästner. Weiterhin wird am selben Tag beschlossen, dass bei Anton Götze in Waldenburg noch zwei Laternen zum Preis von 8,- bis 12,-RM und unter Garantieleistung für gutes Brennen gekauft werden sollen. Dies sollen an die im Uhlmannsdorfer Spritzenhause stehende Spritze gebaut werden. Auch wird auf Antrag einstimmig beschlossen, für obengenannte Spritze ein neues Mundstück zu beschaffen. Dazu wird Spritzenmeister J.Mahn aus Uhlmannsdorf beauftragt, in Altenburg nachzufragen ob dort ein passendes Mundstück käuflich ist und wenn ein geeignetes vorhanden, selbiges zu kaufen.
> In diesem Jahr wird Freiwillige Feuerwehr Grünberg gegründet.
1898 > Am 3.Mai wirft eine von Gösdorf kommende Windhose die Scheune im Mehlhornschen Gut um. Die Windhose kommt erst am Pfarrwald zum Stillstand.
> Am 29.Dezember wird Bruno Werner aus Niederarnsdorf zum neuen Feuerlöschdirektor gewählt. Außerdem kam noch zur Beratung, „dass sich mit dem Glöckner sollte verständigt werden, das Stürmen zu verdoppeln um die jetzigen Schläge“. Weiterhin kommt noch zur Beratung, dass die Schläuche und Ledereimer der beiden Spritzen bei der nächsten Spritzenprobe einer genauen Revision unterzogen werden sollen.
1899 > In diesem Jahr wird die Freiwillige Feuerwehr Langenleuba-Niederhain gegründet.
> Auf der Gemeindeverbandssitzung am 4.März wird auf einen Antrag hin einstimmig beschlossen, zur nächsten Spritzenprobe die Herren Gemeindevorstände von Ziegelheim, Uhlmannsdorf und Niederarnsdorf, sowie den Spritzenschlauchlieferanten Friedemann aus Lgl.-Niederhain hinzuzuziehen, um die Schadhaftigkeit der Schlauchlieferung offiziell festzustellen und um eventuell gleich mit dem Lieferanten in Unterhandlung treten zu können. Ferner wird beschlossen, die Kilometer-Entfernungen zu den benachbarten Ortschaften, zu denen die Spritze bei Bränden gefahren wird, genauer festzustellen, um näheres darüber zu bestimmen.
> Am 12.Mai zur Gemeindesitzung wird die letzte Spritzenprobe ausgewertet. Das Schlauchrohr hatte sich dabei als defekt erwiesen. Der Schlauchfabrikant Friedemann aus Lgl.-Niederhain hatte ein Angebot von 1 Schlauchmeter für 1 RM gemacht. Diesem wird nun einstimmig zugestimmt. Friedemann wird die Lieferung zum angegebenen Preis übertragen, ebenso die Lieferung von 12 neuen Feuereimern. Ein Probeeimer liegt der Versammlung vor, Stückpreis soll 1,20 RM pro Eimer sein. Unter Zuziehung der Gemeinderäte Hämann und Petzold wird mit Friedemann zudem Rücksprache über Art und Umfang der zugesicherten Garantieleistungen, die Schläuche betreffend, gehalten. Wie im März bereits angesprochen, wird eine Abänderung in Bezug auf die Ortschaften, bis wohin die Spritze im Brandfalle gefahren werden soll, beschlossen. Unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung und Zugrundelegung eines 30km-Kreises (Radius 15km), soll die Ziegelheimer Spritze auch in folgenden Ortschaften zum Einsatz kommen können: Heiersdorf, Röhrsdorf, Gähsnitz, Gösdorf, Oberarnsdorf, Nirkendorf, Boderitz, Lohma, Wiesebach, Frohnsdorf und Uhlmannsdorf.
> Am 1.Oktober wird in Langenleuba-Niederhain eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. In unmittelbarer „altenburgisch-thüringscher“ Nachbarschaft taucht sie in einer „Statistik des Landesverbandes Sachsen-Altenburger Feuerwehren“ aus dem Jahre 1913 noch immer als einzige „Freiwillige“ Feuerwehr auf. (Siehe auch unter 1913)
> Auf der Sitzung des Gemeindeverbandes am 24.Dezember gibt Feuerlöschdirektor Werner aus Niederarnsdorf bekannt, dass er zum Jahresende sein Amt niederlegen will, wenn ihm künftig nicht 20,-RM Jahresgehalt zugebilligt würden. Daraufhin findet eine Neuwahl statt, bei der Louis Börnichen einstimmig zum neuen Feuerlöschdirektor gewählt wird.
> Am 31.Dezember lehnt Louis Börnichen aufgrund eines ärztlichen Attestes von Dr.Hohlstein das Feuerlöschdirektor-Amt ab. Damit gibt man sich jedoch nicht zufrieden. Börnichen wird eröffnet, er habe sich in dieser Angelegenheit zur Entscheidung an die königliche Amthauptmannschaft in Glauchau zu wenden.